Das Grosse Buch der Westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin

Von Florian Ploberger (Autor/in)., Ursula Baatz (Vorwort)., Ulrike von Blarer Zalokar (Vorwort)., Peter von Blarer (Vorwort)., Stefan Englert (Vorwort)., Rupert Lenhart (Vorwort)., Eva Mosheim-Heinrich (Vorwort)., Wolf-Dieter Storl (Vorwort)., Rita Traversier (Vorwort)., Miriam Wiegele (Vorwort). | Gebundene Ausgabe | 632 Seiten | Erschienen: 06. 06. 2011 | ISBN: 9783901618635 | 5.Auflage

Bei dem vorliegenden Werk handelt es um das erste diesbezügliche Fachbuch im deutschsprachigen Raum. Seit dem Erscheinen der 1. Auflage im Jahr 2000 wurde es mehrere Male überarbeitet und in die englische Sprache übersetzt.

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Mitwirkend Florian Ploberger
Ursula Baatz
Ulrike von Blarer Zalokar
Peter von Blarer
Stefan Englert
Rupert Lenhart
Eva Mosheim-Heinrich
Wolf-Dieter Storl
Rita Traversier
Miriam Wiegele
VerlagBacopa Verlag
ISBN9783901618635
Illustrationen Anzahl228
Sprache(n) Deutsch
Seitenzahl632
Erscheinungsdatum2011
Auflage5. Auflage
AusführungGebundene Ausgabe

Bibliographie

Die Traditionelle Chinesische Medizin wird immer beliebter und somit auch die chinesische Phytotherapie. So werden auch so genannte westliche Kräuter nach Kriterien der TCM beschrieben und in der Behandlung eingesetzt. Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine überarbeitete und erweiterte Version des Buches Westliche Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin. Es werden ungefähr 230 Kräuter - wie z.B. Rosmarin, Basilikum, Frauenmantel, Erdrauch, Löwenzahn, etc., beschrieben. Bei jedem Kraut werden neben dem deutschen Namen auch der pharmazeutische, botanische und englische Name angeführt. Danach finden Sie eine Beschreibung der verwendeten Teile, von Geschmack, thermischer Wirkung, Organzuordnung, Dosierung, sowie eine detaillierte Beschreibung der Funktionen sowie die individuellen Anwendungsgebiete der jeweiligen Kräuter.

Darüber hinaus wurde ein gänzlich neuer Abschnitt hinzugefügt, der sich mit Rezepturen aus westlichen Kräutern für die Syndrome der TCM beschäftigt. Alle in diesem Buch beschriebenen Kräuter sind als Zeichnungen abgebildet.

Vorteile für Sie:

  • Materia medica, in der alle Kräuter detailliert beschrieben sind
  • Rezepturen nach Krankheitsbildern in 20 Gruppen geordnet
  • Farbzeichnungen

In der 3. Auflage neu:

  • zusätzliche Beschreibung von mehr als 25 weiteren westlichen Einzelkräutern.
  • Hinweise über die Wechselwirkung von Heilpflanzen mit schulmedizinischen Medikamenten. Diese Beschreibungen finden Sie bei den Kräutern Rhabarber, Fenchel, Süßholz, Johanniskraut, Leinsamen, Pfefferminze, Passionsblume, Eiche, Salbei, Baldrian sowie Hopfen.

 

Vorworte
(gereiht in alphabetischer Reihenfolge der Nachnamen)

Das Unternehmen, Rezepte der traditionellen chinesischen Medizin in Rezepturen mit westlichen Medizinal-Pflanzen zu übersetzen, ist ein großer Schritt der Verbindung von westlicher und östlicher Vorstellungswelt.
Denn da geht es um viel mehr als nur die Beschreibung von Pflanzen.
Die Medizinsysteme, die in einer Gesellschaft dominieren, enthalten viel Information über Welt- und Menschenbilder dieser Gesellschaft. In dieser Hinsicht haben Medizin-Systeme eine gewisse funktionelle Ähnlichkeit mit Religionen, bei denen Menschen ebenfalls Unterstützung suchen in ihrem Bestreben, heil zu werden oder zu sein.
Und die Medizin-Systeme haben auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Sprachen: man kann zwar die Worte und Sätze einer Sprache übersetzen, doch es bleibt immer etwas ungesagt, etwas, das sich in der anderen Sprache so nicht sagen lässt. Ganz deutlich wird das, wenn man Gedichte und ihre Übersetzungen ansieht wörtliche Übersetzungen verlieren in Sachen Ästhetik, und Nachdichtungen sind im besten Fall so etwas wie ein neues Gedicht.

Die traditionelle chinesische Medizin bestimmt die Qualität von Medizinalpflanzen und Nahrungsmitteln mit einer ausgefeilten Wahrnehmungsästhetik. Sie beruht auf einer langen Kultivierung der Sinneswahrnehmung und der Sprache dafür. Diese Kategorien auf westliche Pflanzen zu übertragen, setzt eine genaue Kenntnis dieser kulturellen Tradition voraus. Auch wenn die von den Griechen überlieferte Medizin mit den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft zur Qualitätsbestimmung operierte, sind die chinesischen Kategorien anders und vielfältiger.
Westliche Kräuter für Rezepturen der traditionelle chinesischen Medizin ist deswegen ein Projekt, das nicht nur medizinisch, sondern auch philosophisch interkulturell von großer Bedeutung ist.
Dr. Ursula Baatz

Gross, dieser Garten, in den Florian Ploberger uns lockt: 230 Pflanzen,
60 mehr als in der vorherigen Auflage.
Und märchenhaft verwunschen und gefährlich und wild: Auch toxische
Kräuter hat Ploberger in seine Sammlung aufgenommen, zur Anregung, wie er sagt, als ob er sich dafür rechtfertigen wollte, dass er seiner
Leidenschaft nachgeht und uns einen Garten voller Früchte beschert: Die Rezepturen, neu ins Buch gekommen, sind auf höchstem Niveau beschrieben. Es offenbaren sich Umsicht, Wissen und Können, und gleichzeitig schimmert eine Liebe durch, die bei allem, was da sprosst, auch noch das umfasst, was über die therapeutische Nützlichkeit hinausgeht.
Einfach schön.
Ulrike & Peter von Blarer Zalokar, Heilpraktikerschule Luzern

Westliche Kräuter nach den Kriterien der TCM zu untersuchen, zu monographieren und im Rahmen einer energetisch gestellten Diagnose im Konzept der acht Leitkriterien Ba gang und der fünf Wandlungsphasen Wu xing therapeutisch einsetzen zu können, dieser Wunsch besteht bei vielen Therapeuten schon lange. Nur gab es bis vor wenigen Jahren nur kaum bis keine Literatur zu diesem spannenden Thema. Es braucht dazu viel Feingefühl sich um Umfeld jahrtausende alter chinesischer Arzneibücher mit ihren gesammelten exakten Beobachtungen von vielen Ärztegenerationen zu bewegen. Und genau dies Feingefühl hat Florian Ploberger mit seinem überarbeiteten Werk erneut unter Beweis gestellt. Er schafft für die heutige TCM mit der Gruppe der bisher nicht monographierten westlichen Kräutern ein noch breitere therapeutische Plattform. Seine Vorgehensweise basiert dabei auf dem zu begrüßenden Umgang mit Tradition. Nicht im Sinne einer sich abschottenden Traditionalismus, sondern nach dem Leitsatz: das Alte bewahren, das Neue begrüßen. In diesem Sinne wünsche ich diesem gelungenen Werk viel Erfolg und seinen Lesern viele neue Einsichten.
Prof. Dr. Stefan Englert

Kollege Ploberger war einer der Ersten, die es wagten, westliche Heilkräuter, das heißt, Pflanzen unseres Kulturkreises, welche in der Medizin Anwendung finden, nach den Kriterien der Traditionellen Chinesischen Medizin zu beschreiben.
Bücher über diese Heilkräuter gibt es viele. Nur fehlen uns in der westlichen Schulmedizin leider entsprechende Auswahlkriterien für die Anwendung der selben. Meist findet sich nur ein Sammelsurium an sich oft widersprechenden Symptomen oder Beschwerden. Energetische Zuordnungen sind oft nicht nachvollziehbar, da sie meist Behauptungen sind, die sich auf individuelle Empfindungen und Erfahrungen begründen und die Wirkweise des Heilkrautes außer Acht lassen müssen, da keine Systematik dahinter steckt.
Traditionellen Chinesischen Medizin hat auf Grund der durchgehenden Systematik in Physiologie, Pathophysiologie, Diagnostik und Umsetzung in einen Therapieplan den großen Vorteil der Nachvollziehbarkeit.
Aus den bunten Beschreibungen der Einsatzmöglichkeiten ist aber ein TCM- Befund abzuleiten und daraus sind das Temperaturverhalten, der Geschmack und der Wandlungsphasenbezug, bzw. die Organzuordnung zu erstellen und auffallende Wirkweisen darzustellen. Dabei ist aber eine Beeinflussung durch eine persönliche Sichtweise und Erfahrung mit dem Heilkraut nicht zu vermeiden, denn erst die Erfahrung vieler Anwender führt zu einer endgültigen Zuordnung.
In unseren Breiten werden aus den Heilkräutermischungen vor allem Infus-Zubereitungen hergestellt, welche mit den lange gekochten Medizinalsuppen der Chinesischen Medizin nicht direkt verglichen werden können.
Es wäre schön, wenn daher viele Phytotherapeuten mit TCM-Ausbildung ihre Sichtweise unserer westlichen Heilkräuter darlegten, da nur so im Laufe der Zeit Übereinstimmung in der Beurteilung entstünde und die Anwendung westlicher Heilkräuter sicherzustellen wäre.
Die Analyse der biochemischen Inhaltsstoffe der einzelnen Heilkräuter obliegt Fachleuten in diesem Metier, bei der Beurteilung im Rahmen der Anwendung sind Praktiker gefragt, die gerne dazu beitragen aus ihrer Erfahrung ein einheitliches Bild der einzelnen Heilpflanzen zu schaffen. In der westlichen Phytotherapie gibt es einige einzigartige Heilkräuter, deren Nutzung wir im Sinne unserer Patienten nicht verabsäumen sollten und eine gute Schale Tee, welche uns gesund erhält, oder sogar schneller genesen lässt, ist wahrscheinlich sinnvoller, da der Natur entstammend und keine Ressourcen vergeudend.
Dank an Kollegen Florian Ploberger für seinen Beitrag dazu.
Dr. Rupert Lenhart M. TCM

Auf die Heilwirkung von Pflanzen verlassen sich die Menschen seit tausenden von Jahren. In vielen Kulturen war die Heilpflanzenkunde eingebunden in die unterschiedlichen Medizinsysteme wie die griechische Säftelehre, die ayurvedische, chinesische oder Unani-Medizin und viele andere. Die Kräuterheilkunde bildete in allen bekannten Medizinsystemen stets eine der wichtigsten Säulen der verschiedenen Therapieformen.
Das ist in unserer abendländischen Medizin nicht anders. Basierend auf der Viersäftelehre der griechischen Naturphilosophie, hat Galen die verschiedenen medizinischen und naturwissenschaftlichen Schulen der Antike zusammengeführt und erweitert. Sein Werk wurde die maßgebliche Grundlage der Medizin im Mittelalter. Avicenna gelang es, die Lehren Galens zu systematisieren, zu kommentieren und zu vervollkommnen. So schuf er ein Werk, das nicht nur in der islamischen Welt, sondern in ganz Europa zum Standardwerk der medizinischen Ausbildung wurde. Auf dieser Basis entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten in den bekannten Medizinschulen des Mittelalters eine ungeheure Fülle medizinischer Literatur, in der die Heilpflanzenkunde, einmal in der Beschreibung von Einzelmonographien, aber auch in der Lehre der zusammengesetzten Arzneien (also Rezepturen, wie wir sie heute verstehen) eine zentrale Stellung einnahm. Dieses Erbe wurde bis in die Renaissance weitergeführt. Mit Beginn der Aufklärung musste ein weiser medizinischer Erfahrungsschatz zugunsten einer rationalen Medizin weichen. Die hat auch vor der Kräutertherapie nicht halt gemacht. Das analytische Denken ging so weit, dass die Wirkung einer Heilpflanze heute auf ein einzelnes Wirkprinzip reduziert ist. Damit ist der Unterschied zur allopathischen Medizin nicht mehr weit.
Mancher Therapeut heutzutage fühlt sich hier nicht wohl und versucht, in der Traditionellen Chinesischen Medizin wieder ein philosophisch begründetes Medizinsystem mit klaren Klassifizierungen, sowie Diagnose- und Behandlungsstrategien zu finden. Auch hier bildet die Kräutertherapie eine wichtige Grundlage. Viele unserer chinesischen Lehrer sind jedoch erstaunt, weshalb wir uns auf die Anwendung chinesischer Heilpflanzen kaprizieren, wo wir doch nicht nur eine enorme Fülle an heimischen, hochwirksamen Kräutern, sondern dazu die theoretische Basis seit der klassisch-griechischen Medizin haben. Und vor allem sind diese Grundlagen, wenn auch lange vergessen, so doch immer noch vorhanden und mit etwas Mühe zu beschaffen und zu studieren.
Damit haben wir also alles, um die Synthese von westlicher und östlicher Medizintradition zu bilden und eine Brücke zwischen beiden Medizinsystemen zu schlagen. Wer sich hiermit ein wenig befasst, wird lernen, dass beide Systeme nicht so große Unterschiede aufweisen. Auch bei uns wurden Pflanzen nach Geschmack und Temperatur, Primär- und Sekundärqualitäten beschrieben.
Noch sind wir nur auf dem Wege, unser reiches historisches Heilpflanzenwissen in die chinesische Medizin einzuordnen. Man kann also nicht von einem ausgereiften System in der Anwendung heimischer Pflanzen innerhalb der TCM sprechen, wenn wir auch seit den achtziger Jahren einige Bücher über dieses Thema zur Verfügung haben. Manche Autoren arbeiten hierfür die alten Kräuterquellen auf, andere lehnen sich in der thermischen Zuordnung der Pflanzen an ihre Lehrer an. Aber es braucht dennoch weitere Forschungsarbeit von Therapeuten, die die historischen Wurzeln bergen und zu einer lebendigen neuen Synthese verarbeiten. Ferner braucht es Kollegen, die den Mut haben, diese Arbeit auch gegen manche Kritik aus den Reihen der traditionellen chinesischen Kräuteranwender zu machen.
Florian Ploberger ist seit Jahren einer von ihnen. Er hat nicht nur die klassische chinesische Rezepturenlehre studiert, sondern verfügt auch über ein fundiertes Wissen über unsere europäischen Heilpflanzen. Sein vorliegendes Buch ist eine Fortführung und Erweiterung seiner bisherigen Arbeiten. Neben den kurzen und prägnanten Kräutermonographien findet der Leser eine Fülle an Rezepturen, geordnet nach Syndromen der TCM. Die Erläuterungen zu den Kräutern in jeder einzelnen Rezeptur ermöglichen auch dem Anfänger ein Verständnis beim Einstieg in diese Arbeit. Damit bietet das Buch dem Studierenden systematisch geordneten Lernstoff. Aber auch der Profi, der schnell einmal etwas nachschlagen möchte, weil es ihn interessiert, was der Ploberger meint, findet zahlreiche Anregungen.
Möge das Buch als Inspiration dienen, auf diesem Gebiet weiterzuarbeiten. Vielleicht sind wir dann irgendwann einmal in der Lage, der TCM-Rezepturenlehre eine ebenbürtige Therapieform zur Seite zu stellen.
Dr. Eva Mosheim-Heinrich

Wir leben tatsächlich in einem Zeitalter der Globalisierung. Nicht nur Waren werden getauscht, sondern Welthandel, Massentourismus, Medien und das weltumspannende elektronische Netz vermitteln vor allem Ideen von einer Gesellschaft zur anderen. Ganze kulturelle Komplexe werden transferiert, darunter auch die Heilsysteme anderer Kulturkreise. Gesundheit und Krankheit sind ja in jeder Gesellschaft zentrale Angelegenheiten. So erlangte die positivistische, naturwissenschaftliche Medizin des Westens, samt der dazugehörigen Technologe, nahezu weltweite Verbreitung. Die sogenannte alternative Medizin öffnete ihre Pforten allen möglichen Traditionen, darunter der indischen Ayurveda und verschiedenen Yoga-Therapien, schamanischen Heiltechniken, der hawaiischen Kahuna, indianischen Schwitzhütten, afrikanischem Voodoo, südamerikanischen Ayahuasca-Sessions, der islamischen Unani, der tibetanischen Medizin, der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), der Akupunktur und anderen fernöstliche Methoden. Oft sind diese exotischen Therapien Strohhalme nach denen Patienten greifen, die von der offiziell sanktionierten, wissenschaftlich-reduktionistischen Medizin enttäuscht wurden. Oft faszinieren diese Therapien, weil sie bunt und exotisch sind und die Seele, beziehungsweise den ganzen Menschen, ansprechen.
Fast immer jedoch sind diese Therapien aus ihrem kulturellen und natürlichen Kontext herausgerissen. Sie werden deswegen meistens missverstanden und fehl gedeutet. Man vergisst, dass Heilmethoden nicht in einem abstrakten, geistigen Raum entstehen, sondern Ausdruck einer langen, organisch gewachsenen Entwicklung sind. Sie entstehen im Spannungsfeld der jeweiligen Gesellschaft, deren Lebensweise und deren Eingebettet-Sein in der umgebenden natürlichen Umwelt. Die Heilpflanzen, die verwendet werden, sind diejenigen, die in den umliegenden Bergen, Wiesen und Wälder wachsen. Im Namen der lokalen Götter und Geister, der Ahnen und im Verbund mit indigenem Ritual, Symbolik und Sprachmagie werden sie eingesetzt. Das ist der Kontext in dem sich die kulturspezifischen Heilmethoden über Generationen hinweg ausgebildet haben. Heiler und Patient sprechen eine gemeinsame Sprache; Heilmethoden und Heilmittel sind ihrerseits Sprache der Landschaft in der sie zuhause sind, Teil einer gemeinsamen, vielschichtigen Heimat.
Auch die moderne Biomedizin (Schulmedizin), mit ihrem Alleingültigkeitsanspruch ein Erbe der monotheistischen Denkweise erweist sich letztendes aus ethnomedizinischer Sicht als eine historisch gewachsene, kulturspezifische Konstruktion.
Der Versuch exotische Heilrituale zu vereinnahmen und Heilmittel aus anderen Traditionen anzuwenden, erfolgt meistens ohne tieferes Verständnis. Bei den Heilungs-Sancen der Cheyenne-Indianer wird, zum Beispiel, der Boden mit den Zweigen des Steppenbeifuß (Artemisia ludoviciana) ausgelegt. Das geschieht bei jeder sakralen Handlung, auch bei der Geburt. Der bitterwürzige Duft dieser Artemisia-Art ist das Allererste, was das neugeborene Kindlein zu riechen bekommt, wenn es das Licht der Welt erblickt. Beim Sonnentanz, in der Schwitzhütte und bei anderen Zeremonien signalisiert der Duft die Anwesenheit der Mayun, der großen Geistwesen. Wenn dieses wichtigste Heilkraut der Prärieindianer in Europa in einer Heilseance angewendet wird, so wird es für den europäischen Patienten nie die tiefe Resonanz erwecken können, die sie bei dem Cheyenne Patienten hervorruft. Umgekehrt wird die Kamille (Matricaria recutita) trotz objektiv vorhandener Wirkstoffe wie Bisabololoxiden, Chamazulen, usw. bei einem Indianer nicht dieselbe Heilwirkung hervorrufen, wie bei einem Mitteleuropäer. Es fehlt die Erwartungshaltung, das vollkommene Vertrauen; es fehlt die Großmutter, die dem Kind bei seinen Wehwehchen den duftenden Kamillentee kocht und dazu die tröstenden Worte spricht kurz es fehlt der kulturelle Kontext.
Die Epidemie, die Europa heimsuchte, nachdem Columbus eine virulente Spielart des Syphiliserregers Treponema pallidum eingeschleppt hatte, liefert ein weiteres Beispiel der Schwierigkeit der Übertragung und Übersetzung fremdethnischer Heilmittel und -methoden. Die karibischen Indianer waren tatsächlich in der Lage die Krankheit mit extrem heißen Dampfbädern, in Kombination mit einem blutreinigenden Phythotherapeutikum (Guajacum officinale; Smilax aristolochiaefolia) und diätetischen Maßnahmen, auszuheilen. (Siehe, Wolf-Dieter Storl, Borreliose natürlich heilen. Baden und München: AT-Verlag 2009, Seite 217 ff.). In Europa schlug dieselbe Therapie fehl. Vom europäischen Standpunkt aus gesehen, enthielt das Heilverfahren viele unverständliche, ja heidnisch-abergläubige Elemente. Man sah wenig nutzen in einer besonderen Diät; das Dampfbad wurde durch eine überhitzte Stube ersetzt und das importierte Guajakum blieb, wegen unsachgemäßer Anwendung, pharmakologisch wirkungslos. Die Mediziner kamen zu dem Schluss, es sei kein Kraut gegen die venerische Krankheit gewachsen; sie gingen auf eine Behandlung mit alchemistisch präparierter Quecksilbersalbe über.
Wir sehen also, erfolgreiche Integration von fremden Kulturelementen, insbesondere Heilmethoden, ist nicht immer einfach. Man kann sie nicht einfach oktroyieren oder, wie bei einem Mechanismus, anschrauben. Das gilt auch für die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Dieses ostasiatische medizinische System folgt einer anderen Grammatik oder Semantik, als wir es gewohnt sind. So ist zum Beispiel die chinesische Leber (gan) nicht die Leber der klassischen westlichen Medizin. Sie ruft ganz andere Assoziationen hervor. Sie ist weniger eine feste organische Struktur, als wie eine dynamisch-energetische Funktion, die mit anderen Funktionskreisen in Bezug steht. Weil man im westlichen Kulturkreis die Grammatik der chinesischen Medizin überhaupt nicht verstand, galt sie noch bis in die sechziger Jahre als eine kuriose Ansammlung längst überwundener, primitiver, abergläubischer Vorstellungen. Erst nachdem die Tischtennisdiplomatie Kissingers unter der Nixonregierung bessere Beziehungen zu China einleitete, durften auch Berichterstatter das geheimnisschwangere Land besuchen, darunter der renommierte Reporter der New York Times, James Reston. Er wohnte schwierigen Operationen bei, bei denen die Patienten bei vollem Bewusstsein operiert wurden. Zwei oder drei Akupunkturnadeln, ins Handgelenk gesteckt, nahmen ihnen den Schmerz. Der verblüffte Zeitungsschreiber konnte schließlich am eigenen Leibe Erfahrung sammeln, da er zufällig eine Blinddarmentzündung bekam und ohne Narkose mit Hilfe der Akupunktur operiert wurde. Der Verband amerikanischer Ärzte (American Medical Association) konnte so etwas Ungeheuerliches zumal es ein anerkannter Reporter berichtete nicht länger ignorieren und musste Stellung dazu nehmen. Man schickte mehrere Ärztedelegationen nach Peking. Ja, es stand außer Zweifel, dass hier etwas Außerordentliches geschah, aber nach wissenschaftlichen Kriterien konnte es weder erklärt noch erfasst werden. Inzwischen haben Ethnomediziner, Sinologen und andere viel Übersetzungsarbeit geleistet, so dass wir die chinesische Medizin inzwischen besser verstehen. Ein regelrechter Schatz, der die heilkundlichen Erfahrungen von über 5000 Jahren in sich trägt, tut sich vor uns auf.
Florian Ploberger, selber Arzt und profunder Kenner der chinesischen Medizin wie auch der Phythotherapie, leistet wichtige kulturmedizinische Übersetzungsarbeit in seinem Buch. Sein besonderer Verdient ist es, dass er eine Brücke baut, indem er die Heilpflanzen, die bei uns in Mitteleuropa wachsen und schon seit vorchristlichen Zeiten in unserer Heilertradition eine Rolle spielen, aus der Sichtweise der traditionellen chinesischen Medizin anschaut und beleuchtet. Das ist aufregend. Altbekanntes erscheint in einem neuen, interessanten Licht.
Da sich China teilweise auf den selben geographischen Breitengraden befindet wie Europa oder wenigstens vergleichbare Lebensräume mit vergleichbaren ökologischen Bedingungen aufweißt, finden wir ähnliche oder nahe verwandte Pflanzenarten, wie bei uns. Da ist es interessant, wie solche Heilpflanzen in der chinesischen Heilkunde charakterisiert und angewendet werden. Welchen Stellenwert hat um einige Beispiele zu nennen etwa der Beifuß (Artemisia), das Helmkraut (Scutellaria), die Alantwurzel, der Bockhornklee, die Braunelle, der Eisenhut, die Klette oder die, in der TCM am häufigsten verwendete Heilpflanze, nämlich Danggui, die Engelwurz. Die Beschäftigung mit chinesischer Kräuterkunde führt zu einer Vertiefung des Verständnisses der korrespondierenden europäischen Heilkräuter.
Aber es gibt auch andere Aspekte. Dank Anregung aus der chinesischen Kräuterheilkunde ist man auch in den letzten Jahren wieder auf lange vergessene, in Europa einheimische Heilpflanzen gestoßen, wie zum Beispiel die Karde (Dipsacus sylvestris). Der amerikanischer Homöopath und TMC-Praktiker, Matthew Wood, entdeckte, dass der Symptomkomplex, bei dem die Kardenwurzel (Xu duan) in der chinesischen Heilkunde Anwendung findet, sich mehr oder weniger mit dem Symptomkomplex der Borreliose deckt. Daraufhin behandelte er seine Borreliose-Patienten mit einer Kardenwurzeltinktur. Mit viel Erfolg. Die Karde erwies sich als eines der besten Mittel zur Behandlung der gefürchteten Spirochäten-Erkrankung, besonders wenn sie chronisch vorliegt.
Florian Ploberger weist uns zurück auf unsere Heilkräuterflora, auf Pflanzen, mit denen wir vertraut sind und die wir selber sammeln können. Wir müssen nicht unbedingt Trockenware aus China importieren, deren Alter und Qualität wir oft nicht beurteilen können oft sind sie mit Pestizidrückständen, Schwermetallen und Schimmelpilz (Aflatoxine) belastet und die oft wenig Bezug zu unserer Erde und unserer Heiltradition haben.
Florian Plobergers Buch ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Er bereichert unser Heilpflanzenverständnis, indem er uns unsere alt überlieferten, einheimischen Heilpflanzen mit den Augen betrachten lässt.
Dr. Wolf-Dieter Storl, Allgäu

Wir leben in einer Zeit, in der die Globalisierung immer mehr Gewicht bekommt. Unsere Offenheit, ja Faszination anderen Ländern, Völkern und Kulturen gegenüber lässt sich dem Wassermannzeitalter zuordnen, das Grenzen entfallen lässt, die Erde fast zu einem großen Dorf macht. Die Globalisierung ist ein modernes Phänomen, das Kapital, Ware und Wissen beliebig hin und her schiebt, das Reisen lässt bis in die abgelegensten Teile der Erde, einen unvorstellbaren Austausch von Daten und Information möglich macht, --- das kurzum nach weltweiter Freiheit drängt. Das Wissen ist der ganzen Welt zur Verfügung gestellt und von unschätzbarer Wichtigkeit für all jene die es positiv zu nutzen wissen. Demnach ist das Interesse westlicher Therapeuten für die Traditionelle Chinesische Medizin, und inzwischen auch das Praktizieren danach, voll im Sinne dieses Zeitgeistes.
Nur: Wertvolle Ideen und Schöpfungen anderer Menschen zu übernehmen kann nur dann gut sein, wenn es mit eigener Kreativität und Originalität, mit eigener Kultur und Tradition verflochten wird, - wenn es Neues entstehen lässt. Ein System soll, will es sich fortentwickeln, immer in Bewegung bleiben, das Potential zur Offenheit und zum Wandel in sich zu tragen. --- Allein über eine kreative und ausgewogene Integration beider Komponenten, kann die TCM als heilkundiges System im Westen richtig wurzeln und Früchte tragen. Plagiat, das kein eigenes Leben hervorbringt, ist der Samen zur eigenen Zerstörung, bemerkt Leon Hammer dazu. --- Und, drängen schließlich die Einsichten, Erfahrungen und Errungenschaften eigener abendländischer Kultur nicht nach Leben, nach Anwendung? So bietet sich mit aller Selbstverständlichkeit, auch im Rahmen der TCM, die Verwendung unserer eigenen Heilpflanzen an. Sie haben sich über Jahrtausende bewährt und sollen, wollen wir uns selbst treu bleiben, nicht durch fremde Materia medica verdrängt werden. Es würde der Verlust eines wichtigen Teils unseren Kulturgutes bedeuten.
Menschen wie P. Holmes, E. Mosheim-Heinrich, F. Ploberger, J. Ross, U. und P. von Blarer-Zalokar u.a. haben sicher den Samen dieser Idee in sich gespürt, als sie sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten daran machten unsere heimischen Heilpflanzen nach den Kriterien der Chinesischen Medizin zu studieren und aufzuzeichnen. Jeder von ihnen trägt auf eigene Art und Weise dazu bei, dass die TCM mit westlichen Pflanzen hier im Abendland Fuß fassen, ja überhaupt eine neue naturheilkundige Richtung werden konnte. So ist auch dieses neue Buch von Florian Ploberger ein wertvolles Werkzeug in der Hand jener Therapeuten die nach dieser einzigartigen Heilmethode helfen und heilen wollen. Steht doch im Zentrum unserer Arbeit das Wohl des Patienten.
Rita Traversier, St. Johann Deutschland

Es gibt viele unterschiedliche Wege des Heilens und ebenso viele Wege, wie Heilpflanzen angewendet werden können.
Am Anfang steht der Schamane, in Räucherwolken duftender Kräuter gehüllt, heilende Sprüche murmelnd. Am Ende steht der klinisch saubere Schulmediziner, der durchdrungen von seiner naturwissenschaftlichen Rationalität Wirkstoffe nutzt, die nach Computer-aided Drug Design entwickelt werden und in der Natur nicht vorkommen. Auch die Wege des Heilens müssen rational sein, stellt sich allerdings die Frage, was ist Heilen und man wird doch noch fragen dürfen- warum gibt es trotz Schulmedizin noch immer oder vielleicht sogar immer mehr unheilbare Krankheiten? Bleibt dem armen Schulmediziner nur mehr der Nimbus der Götter in Weiß? Doch damit sind wir wieder am Anfang angelangt, beim Schamanen. So viel zur Rationalität.
Von der Schulmedizin wird den Traditionellen Heilsystemen gerne vorgeworfen, dass es ihnen an Wissenschaftlichkeit und Rationalität fehlt. Doch was gibt es Rationaleres und vor allem Verständlicheres als analoge Zuordnungen, wie wir sie in allen traditionellen Systemen, gleich ob Traditionelle Abendländische Medizin (TAM), Ayurveda oder Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), finden. So wird dem Element Feuer in der TAM das Herz zugeordnet, die Farbe Rot, die Eigenschaft warm und der bittere Geschmack und somit Heilpflanzen mit Bitterstoffen wie die Meisterwurz oder der Galgant. Kein großer Unterschied zur TCM! Was im Ayurveda auf den ersten Blick unterschiedlich ausschaut, wo dem Feuerelement vor allem der Stoffwechsel und Agni, das Feuer, das diesen reguliert, zugeordnet wird, zeigt gleich Übereinstimmungen, wenn dem Prinzip Pitta, das aus den beiden Elementen Feuer und Wasser entsteht, der bittere, zusammenziehende Geschmack zugeordnet wird und eine psychische Konstitution, die zu feurigen Führungspersönlichkeiten, aber auch zu aggressiven Reaktionen führen kann ebenso wie das cholerische Temperament, das in der TAM dem Feuerelement zugeordnet ist.

Dieses Beispiel zeigt auf, dass die Prinzipien der Traditionellen Systeme die selben und die Interpretationen nur marginal unterschiedlich sind. Vor allem helfen uns die Traditionellen Systeme, auf den einzelnen Patienten einzugehen und für jeden fast maßgeschneidert die richtige Therapie und die passenden Heilpflanzen zu finden. Mag sein, dass ich Rationalität nicht so sehe, wie es heute verlangt wird, aber für mich sind Methoden, die den Menschen im Mittelpunkt sehen, der aber durch seine Krankheit aus der Mitte gefallen, aus dem Gleichgewicht gekommen ist, mit Hilfe ausgleichender Heilmittel im Sinne von Feuer mit Wasser bekämpfen wieder in die Mitte bringen können, die besseren Methoden, auch wenn sie nicht rational sind.

Auf der Suche nach Wegen des Heilens sind in den letzten Jahren Begriffe wie Klostermedizin oder Hildegard-Medizin populär geworden. Hinterfragt man diese Begriffe, erkannt man sehr schnell, dass beide nichts anderes als klassische TAM sind, sprich Humoralmedizin des Galen, basierend auf dem Heilpflanzenschatz der Antike, der in den Büchern des Dioskorides beschrieben wurde. Benedikt von Nursia und vor allem seinem Mitbruder Cassiodor ist aber immerhin zu verdanken, dass durch die Gründung einer Mönchsakademie dieses Wissen um die Eigenschaften der Heilpflanzen im Sinne der Elementenlehre erhalten blieb. Auch die weise Äbtissin Hildegard von Bingen beherrschte die Säftelehre und beschrieb die Anwendungen der Heilpflanzen ganz nach ihren Elementqualitäten. Ihre Ratschläge für die thermisch richtige Anwendung der essbaren und heilenden Pflanzen erinnert fast an Ratschläge aus der TCM: Daraus aber ein eigenes Heilsystem, die sogenannte Hildgard-Medizin zu machen, möge deren Vertretern vorbehalten bleiben.

Gerne wird heute von Traditioneller Europäischer Medizin gesprochen. Ich möchte lieber beim Begriff Abendländische Medizin bleiben, denn in der TAM finden sich beginnend mit den Sätzen des Hermes Trismegistos, der dem ägyptischen Gott Thot gleichgesetzt wird, die Heilkenntnisse der Juden und Araber ebenso wie die der antiken griechischen Väter der Medizin. Von Abendland zu sprechen lässt mich auch die missbräuchliche Anwendung dieses Begriffes gewisser ahnungsloser Politiker nicht abbringen. Europäische Medizin, das ist vielleicht das Wissen vom Heilen und den heimischen Heilpflanzen wie es von den Kelten und den germanischen Stämmen überliefert ist und das vor allem in der Volksmedizin zu finden ist. Das Wissen um die Wirkung der Heilpflanzen unserer Altvorderen war sicher kein Trial-and-Error-System, sondern basierte auf dem Urweg der Naturerkenntnis, der Signaturlehre. Diese wurde von Paracelsus zu einem therapeutischen Konzept entwickelt, das heute noch in der Anthroposophischen Medizin praktiziert wird. Paracelsus ordnete die Zeichensprache der Natur, indem er die Pflanzen, aber auch den Menschen mit seinen Organsystemen, die Tiere, Mineralien und Metalle bestimmten, nach Planeten benannten Prinzipien ordnete, was ein fantastisches therapeutisches Konzept ermöglicht.

Das Wissen um die Wege des Heilens ist also so vielfältig wie die Natur selbst und auch die Wege, die Wirkung der heilenden Pflanzen zu ergründen. Möge dieses Buch von Florian Ploberger uns eine Erweiterung des Verständnisses westlicher Heilpflanzen bringen, indem wir sie nicht nur nach ihren Inhaltsstoffen beurteilen, wie das die rationale Phytotherapie verlangt. Dieses Buch hilft uns Westlern vielleicht zu vergleichen, wo und ob es Unterschiede zwischen TAM und TCM gibt:
Feuer, Luft, Wasser, Erde oder Wuxing,
warm, feucht, kalt und trocken oder Wuwei und Siqi,
von Mond zu Saturn oder Zang-Fu-Organe.
Auf jeden Fall wird es uns allen, die wir daran interessiert sind, helfen, das Wesen und die Wirkungen der Heilpflanzen in einer weiteren Dimension begreifen zu lernen.

Miriam Wiegele, Südburgenland

REZENSIONEN

Sie finden in der Pharmaceutical Tribune 14/2011 auf Seite 7 eine Rezension des neuen Buches von Dr. Ploberger: "Das Grosse Buch der Westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin"
"Die TCM boomt im Westen wie nie zuvor. War es anfangs noch die Akupunktur, die faszinierte, so finden sich mittlerweile immer mehr Anhänger der traditionellen chinesischen Phytotherapie. Ein 5000 Jahre alter Schatz an Pflanzenwissen, den im Westen freilich nur wenige Kundige heben können. Einer davon ist DR. FLORIAN PLOBERGER Arzt und profunder Kenner der Chinesischen und Tibetischen Medizin. Er hat nicht nur die chinesische Rezepturlehre studiert, sondern verfügt auch über fundierte Kenntnisse europäischer Heilpflanzen. Ganz abgesehen vom rechten Feingefühl und einer unendlichen Geduld, um sich die konplexe Materie zweier Medizinsysteme anzueignen.
Mit Recht weist der Autor auf die Problematik "importierter" Heilmethoden hin, die - aus ihrem kulturellen und natürlichen Kontext herausgerissen - zu vielen Fehlinterpretation führen können. Dies gilt besonders für die tradiierte Pflanzenmedizin, die ja auf den Erfahrungen mit Gewächsen der natürlichen Umgebung aufbaut. Chinesische Ärzte sind oft erstaunt, warum sich Westler auf chinesische Heilkräuter kaprizieren, wo wir doch selbst eine enorme Fülle an hochwirkamen heimischen Kräutern haben. Diese vertrauten Kräuter werden durch das Buch Plobergers plötzlich neu und spannend, wenn sie nämlich nach den Kriterien der TCM beschrieben werden.
Ein kulturmedizinischer Brückenschlag, der das Beste zweier Systeme zu einem sinnvollen, anwendbaren Ganzen zusammenfasst. 230 heimische Kräuter werden in einer kurzen, prägnanten Kräutermonographie beschrieben, dazu gibt es eine Fülle an Rezepturen, geordnet nach den Syndromen der TCM. Dabei sorgt die traditionelle chinesische Zusammenstellung von Kaiser-, Minister-, Offiziers- und Botschaftskraut in einer Rezeptur für deren energetische Aufgewogenheit und Verträglichkeit. Die Erläuterungen zu den Kräutern in jeder einzelnen Rezeptur ermöglichen dem Anfänger einen Einstieg in die Materie, dem Studierenden bietet das Buch systematisch geordnetes Wissen und dem Profi dient es schließlich als Nachschlagwerk mit vielen überraschenden Tipps für die Praxis. Besonders wertvoll auch die angeführten energetischen Kontraindikationen von vermeintlich harmlosen Kräutlein und Wurzeln." SCH

 

Interview mit Dr. Ploberger
Westliche Kräuter in der TCM. Zurück zu den Wurzeln
Wien Nachdem die TCM hierzulande einen großen Boom erlebte, macht sich in den letzten fünf Jahren ein interessanter Trend bemerkbar: Heimische Kräuter werden zunehmend gerne verschrieben, nachdem sie auch noch um ein Viertel günstiger als die chinesischen sind. MT sprach beim diesjährigen internationalen TCM-Kongress Tao der Lebenskraft in Vösendorf mit Dr. Florian Ploberger über die unterschiedlichen Ansätze der östlichen und westlichen Kräutertherapie.

MT: Sind chinesische Kräutern wirkungsvoller als westliche?
Dr. Ploberger: Das würde ich nicht sagen. Phytomedizin ist eine Erfahrungsmedizin und die chinesische hat der westlichen gegenüber den Vorteil, dass die Kräuter präziser beschrieben werden und dadurch präziser anwendbar sind. Bei vielen Krankheitsbildern der chinesischen Medizin haben wir derart gute westliche Kräuter, dass man auf die chinesischen komplett verzichten kann. Ausnahmen sind die so genannten Qi- oder Blut-Tonics mit Ginseng, Angelicae Sinensis oder Rx. Astragali diese Kräuter können wir nicht 1:1 durch westliche Kräuter ersetzen.

MT: Können somit Rezepte auch vorwiegend aus westlichen Kräutern zusammengestellt werden?
Dr. Ploberger: Ich mache das bereits und etliche andere TCM-Ärzte auch. Westliche Kräuter haben den Vorteil, dass sie für Patienten kostengünstiger sind nämlich ein Viertel vom Preis. Außerdem sind die Menschen hier damit vertrauter, weil sie die Kräuter kennen oder sie sogar in ihrem eigenen Garten haben.

MT: Wie man an den vielen Enschlackungs-, Entspannungs-, Frauen-, Nerventees usw. sieht, gibt es einen großen Markt in diese Richtung wie sehen sie diese Entwicklung?
Dr. Ploberger: Hier besteht der große Unterschied. Aus der Sicht der chinesischen Medizin werden nicht Einzelkräuter, sondern Kräuterkombinationen verschrieben. Das hat den Vorteil, dass man so gut wie keine Nebenwirkungen hat, weil man dramatisch wirksame Kräuter mit solchen kombiniert, die Nebenwirkungen mildern. Die Stärke der chinesischen Medizin liegt ja darin, dass Rezepturen individuell zusammengestellt werden. Da gibt es nicht nur das eine Schlafkraut oder das PMS-Kraut. Tees, die zur Entschlackung oder zum Schlafen angeboten werden, decken nicht alles ab, manchmal wird es funktionieren und manchmal nicht. Das optimale Vorgehen ist, den Patienten zu diagnostizieren und die dementsprechende Therapie vorzuschlagen.

MT: Gibt es eine Ausbildung für westliche Kräuter aus der Sicht der TCM?
Dr. Ploberger: Es gibt keine Ausbildung mit offiziellen Diplomen und Abschlüssen. Österreich ist hier noch relativ weit hinten. Die Schweiz ist uns da schon weit voraus, dort gibt es ein sehr hohes Grundwissen sowie Diplome für die Therapie West.

MT: Welche TCM-Ausbildung ist sinnvoll?
Dr. Ploberger: Man muss sich bewusst sein, dass der Weg in die chinesische Medizin und Philosophie nicht in zwei Wochenenden abzuhandeln ist. Die Chinesische Diagnostik und Arzneimitteltherapie ist die fundierteste Ausbildung auf sehr hohem Niveau mit abschließendem Diplom der Ärztekammer. In diesem Lehrgang ist die ganze Pharmakologie vertreten Pflanzen, Mineralien sowie gewisse Tierprodukte.

MT: Woher beziehen Apotheken chinesische Kräuter, ist die Qualität überall gleich gut?
Dr. Ploberger: Es gibt nur minimale Unterschiede, es gibt zwei bis drei gute Kräuterimporteuere, die die Apotheken beliefern. Diese gewährleisten, dass keine Pestizide etc. vorkommen.

MT: Wie erklären sich die zunehmend höheren Preise der letzten Jahre?
Dr. Ploberger: Das liegt an den sehr strengen und hohen Qualitätskontrollen, die Preise sind um rund ein Drittel angestiegen.

MT: Wie stehen Sie zu Granulaten?
Dr. Ploberger: Ich mache Traditionelle Chinesische Medizin traditionell bedeutet, es gibt keine Granulate, weil das eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts ist. Der Vorteil der Kräuter gegenüber Granulaten ist, dass sie individuell zubereitet werden können. Nachdem es sich um Mischungen und nicht um Einzelkräuter handelt, kann man Wurzeln z.B. rösten oder mit Honig sowie Essig zubereiten. Außerdem wird die Mischung längere Zeit gekocht, dabei wirken die verschiedenen Kräuter aufeinander. Granulate werden einfach nur in Wasser aufgelöst und können nicht individuell zubereitet werden. Jedoch haben Granulate natürlich ihre Vorteile: Sie sind praktisch für den Apotheker, weil sie weniger Platz brauchen und nicht verderben sowie auch für den Verbraucher einfacher zu handhaben. Daher werden sie sicherlich weiterhin Zukunft haben. Für Kräuter braucht man Fachkräfte und Platz, sie sind zeit- und arbeitsaufwändiger sowie geruchsintensiver.

MT: Das heißt, Apotheken kochen vermehrt Dekokte für ihre Klienten?
Dr. Ploberger: Es gibt vermehrt Apotheken, die das fertige Dekokt als Service anbieten. Dieser Trend hat sich langsam entwickelt, weil immer mehr Pharmazeuten Ausbildungen in chinesischer Phytotherapie absolviert haben. Hintergrundwissen ist absolut notwendig, z.B. müssen Wurzeln oder einige Früchte längere Zeit gekocht werden, während man Blütenblätter nur ziehen lässt. Auch wenn der Klient selber kocht, muss es ihm gut erklärt oder sogar einzeln abgepackt werden.

MT: Wie viele Apotheken bieten TCM bereits österreichweit an?
Dr. Ploberger: Als ich vor 15 Jahren mit der TCM begonnen habe, waren es acht, derzeit sind es 45, und es kommen ständig welche dazu. Es gibt aber immer wieder Apotheken, die damit beginnen und bald wieder aufhören, weil sie die TCM als Modeerscheinung sehen und aus finanziellen Gründen auf den Zug aufspringen. Zum Glück setzt sich jedoch die Qualität durch, d.h. Apotheker, die das gerne machen und Fachkenntnisse haben. Die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Pharmazeuten funktioniert dann auch sehr gut.

Interview: Eliana Crisafulli
Quelle: http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dssid=4170&dsmid=100982&dspaid=827905#dstitle_827908

 

"Florian Ploberger legt mit diesem umfangreichen Nachschlagewerk eine bahnbrechende Übersetzungsleistung vor. Anhand der Kriterien der TCM und gestützt auf europäische Kenntnisse klassifiziert er mehr als 200 westliche Kräuter nach Geschmack, thermischer Wirkung und der Organzuordnung. Dazu gibt Ploberger eine Einführung sowohl in die Kräuterkunde der TCM als auch in die Kunst der Zubereitung und der verschiedenen Therapieformen der TCM. In einem eigenen Kapitel führt er eine Reihe von Rezepturen für Syndrome der TCM an und übersetzt die Rezepte in westliche Kräutermischungen. Ausführliche Indexe ergänzen das Buch, das lesbar geschrieben ist und daher sowohl als eine Einführung als auch Grundlage für eigenständiges Arbeiten verwendet werden kann. Vorausgesetzt ist für diesen Fall allerdings eine gute Kenntnis der Diagnostik der TCM, da viele Angaben sonst weitgehend nicht nachzuvollziehen sind. Die Abbildungen der Pflanzen, die aus alten Kräuterbüchern stammen, vervollständigen auf ästhetisch ansprechende Weise die umfangreichen Informationen.
Ploberger gibt mit diesem Band eine Zusammenfassung seiner langjährigen Beschäftigung mit Kräuterrezepturen der TCM und ihren westlichen Äquivalenten - als Arzt, TCM-Lehrer und Kräuterkundiger. Dabei geht es um viel mehr als nur um die Beschreibung von Pflanzen - denn Medizin-Systeme beinhalten sehr viel Informationen über Menschenbild und Gesellschaft, in der sie entstanden sind. Mit dem Buch betritt Ploberger deswegen nicht nur medizinisch in vieler Weise Neuland, sondern leistet auch einen gewichtigen Beitrag zur interkulturellen Verständigung. "
Ploberger, Florian, Das Grosse Buch der Westlichen Kräuter aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin Bacopa Verlag, Schiedlberg/Österreich, 2011, 580 Seiten, über 200 Abbildungen, gebunden, ISBN-10: 3901618635, ISBN-13: 978-3901618635, 69.-
aus: Christiane Thoms, Redaktion Deutsche Heilpraktiker Zeitschrift, MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG