Der Fremde kennt nicht unsere Wege - Chinaknigge für Langnasen. Mit einem Vorwort von Dr. Helmut Sohmen

Von Gerd Kaminski (Autor/in)., Helmut Sohmen (Vorwort). | Gebundene Ausgabe | 206 Seiten | Erschienen: 30. 04. 2020 | ISBN: 9783903071711 | 1.Auflage

Der Autor, Univ. Prof. Dr. Gerd Kaminski, ist Leiter des Österreichischen Institutes für China- und Südostasienforschung und langjähriger China-Konsulent des österreichischen Außenministeriums. Er bereist China mit Terminen bei Spitzenpolitikern seit 1972 und berät sowohl österreichische Ministerien wie auch Unternehmungen. Darüber hinaus ist er seit Jahrzehnten für Empfang und Betreuung von chinesischen politischen, wirtschaftlichen und anderen Fachdelegationen tätig.

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Mitwirkend Gerd Kaminski
Helmut Sohmen
VerlagBacopa Verlag
ISBN9783903071711
Illustrationen Anzahl42
Sprache(n) Deutsch
Seitenzahl206
Erscheinungsdatum2020
Auflage1. Auflage
AusführungGebundene Ausgabe

Bibliographie

Das vorliegende Werk schöpft einerseits aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz und andererseits aus den bisher im Westen und in China erschienenen einschlägigen Publikationen.
Besonders in China ist in der Landessprache während der letzten Jahres ein wahrhafter Boom an Büchern über gutes Benehmen entstanden, welche erstmals in Kaminskis Werk entsprechend berücksichtigt werden. Die Kapitel reichen vom enorm wichtigen - Gesicht geben und Gesicht verlieren - über protokollarische Fragen bis zur Verhandlungstaktik und dem Problem, chinesische Mitarbeiter, die in der Regel zu allem ja sagen in fruchtbare Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Natürlich sind auch die Do and Donts enthalten. Sie zeigen Wege auf, die zum erwünschten Ziel führen.

REZENSIONEN

Prof. Dr. Wolfgang Kubin

Das Alter, nur das Alter schafft Bleibendes. Dies ist einer meiner Wahlsprüche. Wenn ich bedenke, wie viele Männer Professuren für Sinologie haben einheimsen können, ohne kaum oder je ein eigenes Buch (außer im Kartoffeldruck) vor ihrer Berufung bzw. vor ihrem Tod zu verfassen geneigt waren, ergreift mich Bewunderung für all die Arbeiter auf dem Totenbett. Niklas Luhmann (1927-1998) war ein solcher. Er wird ewig mein Vorbild bleiben. Ein Nichtsinologe? Ja, denn er wurde beispielhaft von denjenigen Sinologen vorgestellt, die in deutschen Landen nie eine Chance hatten!

Der Wiener Sinologe Gerd Kaminski, Jahrgang 1942, gehört zu den wenigen Beispielen, die lebenslang weiter Zeichen setzen. Mit seinem Chinaknigge greift der bald 78jährige zwar kein neues Thema auf, aber, ohne darum zu wissen, liefert er einen wichtigen Beitrag für die gegenwärtige Diskussion. China ist derzeit Hassobjekt Nr. 1. Wer es wagt wie ich, differenziert in die Debatte einzugreifen, muss sich nicht nur von der ZEIT, sondern gar von der FAZ gefallen lassen, als Sprachrohr der KPCh gebrandmarkt zu werden.

Obwohl stark im philosophischen Diskurs des Verstehens und von einer Verstehenswut geprägt, erweist sich die deutschsprachige Intelligenz momentan als humorloser Vertreter der Besserwisserei und Arroganz.

Kühles Denken und Gelassenheit sind die Markenzeichen unseres Wiener Freundes. Nehmen wir den Titel zum Beispiel. Dieser verdankt sich dem Gelächter eines chinesischen Bauern (S. 167). Wir, die Fremden, würden sie, die chinesischen Menschen, nicht verstehen. Das Wörtchen nicht hat sich unter der Fuchtel der Postkolonialisten und radikalen Feministinnen zu einem nie ausgeweitet. Ich kann mir leicht vorstellen, wie, wenn diese es denn mitbekommen würden, das Titelbild des großartigen Zeichners Friedrich Schiff (1908-1968) zu einem Politikum für die besagte Berufsgruppe werden dürfte.

Der Autor stellt listig dar, er bewertet nicht. So gelingen ihm überraschende Momente: Kaum hat der Bauer den österreichischen Freiheitskämpfer für Spanien und China ausgelacht, da kommt unser Humorist lapidar mit einer Erkenntnis daher, die mich schon seit langem gewurmt hat: Tageszeitungen wie Global Times oder China Daily, wie gut sie auch immer sein mögen, kennen als Objekt der Karikatur nur ausländische Politiker, solange diese keine Afrikaner sind! Die herrschende Klasse der Volksrepublik China bleibt dagegen ungeschoren. Wir erleben ihre Herren und Damen immer wie nach dem Friseur im Bild einer wohlmeinenden heimischen Presse. Warum? Ich hüte mich, unsereins leichterdings zum wohlfeilen Opfer der Günstlinge von ungarem Postkolonialismus und unkritischem Feminismus zu machen.

Das Werk bietet politisch korrekt nicht nur österreichische Illustratoren, sondern mit Ding Xi ebenfalls einen chinesischen Künstler. Doch überraschender Weise wirken dessen Chinesen auf mich wie Koreaner oder Japaner, bestenfalls wie Hongkonger. Liebe Postis, nun aber mal ran!

Es hat bislang viele Knigge für China gegeben, besonders in letzter Zeit, alle vielfach aufgelegt. Warum also der neue Kaminski? Ganz einfach, er basiert nicht nur auf den bisherigen, mitunter fehlerhaften Ausgeburten, sondern ebenfalls auf einem chinesischen Fachmann, der inzwischen neun Bände zum Thema vorzulegen hat. Wir erlangen also länder- und kulturübergreifend gleichzeitig Kenntnis von einer so langen wie einer so kurzen Nase!

Das kluge Buch, welches aus Erfahrung (!) und vergnüglich informiert, ist sorgfältig ediert; es weist lediglich auf den Seiten 9, 127, 167, 199 Druckfehler auf (Hinweis für die baldige Neuauflage und Hinweis auf meine begierige Lektüre!).