Die Anwendung der chinesischen Meridianlehre in der Praxis - Wang Ju-Yi's Vorlesungen zur Leitbahntherapie

Von Jason Robertson (Autor/in)., Ju-Yi Wang (Autor/in)., David Koppensteiner (Übersetzer/in). | Gebundene Ausgabe | 690 Seiten | Erschienen: 16. 05. 2014 | ISBN: 9783902735072 | 1.Auflage

Praktische Meridiantheorie in der Chinesischen Medizin zeigt, wie ein tieferes Verständnis der Beziehungen zwischen Organ- und Meridiantheorie zu einer präziseren Diagnose und besseren klinischen Resultaten führen kann.

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Mitwirkend Jason Robertson
Ju-Yi Wang
David Koppensteiner
VerlagBacopa Verlag
ISBN9783902735072
Illustrationen Anzahl275
Sprache(n) Deutsch
Seitenzahl690
Erscheinungsdatum2014
Auflage1. Auflage
AusführungGebundene Ausgabe

Bibliographie

VORWORT
Dieses Buch ist das Ergebnis von Praxis und Studium der Traditionellen Akupunktur und Meridiantheorie. Das Wissen dazu entstammt einem jahrzehntelangen Prozess. Während der 30 Jahre, als ich Patienten in Beijing behandelte, hatte ich stets versucht, mir die klassischen Texte vor Augen zu halten. Sie sind die Quellen der Grundlagen unserer Medizin. Meine Patienten hatten großen Einfluss auf mein Verständnis der Klassiker, und ich kehrte immer wieder zu diesen Klassischen Werken zurück.
Man mag sich die Frage stellen, warum dieses Buch den Titel Praktische Meridiantheorie und nicht Praktische Akupunktur trägt. Ich denke, dass man tief in die Meridiantheorie eintauchen muss, um das theoretische Verständnis auf jeglichem Gebiet der Chinesischen Medizin zu verbessern. Sie ist eine der fundamentalen Säulen der Chinesischen Medizin und das Herzstück der Akupunktur.
Es ist auffällig, dass in der langen Medizintradition Chinas immer jene mit dem tiefsten Verständnis der Meridiantheorie die nachhaltigsten und klinisch wertvollsten Beiträge geliefert hatten. Inder modernen Akupunkturliteratur werden jedoch die tieferen Prinzipien aus dem Klassiker des gelben Kaisers zur Inneren Medizin (Ni Jng), dem Klassiker der Schwierigkeiten (Nn Jng) und dem Systematischen Klassiker der Nadel- und Moxatherapie (Ji Y Jng) nicht erörtern und nur oberflächlich erwähnt. Der Großteil der modernen Lehrbücher befasst sich mit empirischen Punkten: Welcher Punkt hilft bei welcher Beschwerde. Als Folge daraus wurde das komplexe, systematische Theoriemodell der klassischen Akupunktur auf eine Schattenmedizin reduziert, in der es nur um die Suche nach Punkten für spezifische Krankheiten oder Symptome geht. Dies hat nicht nur die Entwicklung der Chinesischen Medizin dramatisch abgebremst; es schmälerte auch das Indikationsspektrums für Akupunktur in vielen modernen Kliniken.
Nachdem ich diesen Trend bemerkt hatte, suchte ich in Gesprächen mit Kollegen nach Lösungen. Gleichzeitig bemühte ich mich, mein Wissen an Studenten in China und im Ausland weiter zu geben. Jason Robertson arbeitete seit unserem ersten Treffen in Beijing im Jahre 1997 intensiv mit mir zusammen, um schließlich ein Jahr lang nach Beijing zu kommen. Während dieser Zeit hörte und übersetzte er viele meiner Vorträge für chinesische und westliche Studenten. Er nahm sich auch die Zeit, über meine Ideen nachzudenken, stellte zu schwierigen Konzepten Fragen, sammelte Material und übersetze es in dieses hoffentlich lesefreundliche und interessante Buch. Ich hoffe, dass es ein Samen der klassischen Meridiantheorie ist.
Für Sie, lieber Leser, liebe Leserin, hoffe ich von Herzen, dass Sie sich nicht von oberflächlicher Akupunkturtherapie einfangen lassen und ausschließlich empirische Punkte von Ihren Lehrern und Kollegen erlernen. Erwecken Sie die Chinesische Medizin zum Leben, indem sie die Meridiantheorie anwenden und ihre Anwendung innovativ erweitern jedoch immer ausgehend von einem stabilen Fundament!
Um die modernen Krankheiten unserer Zeit behandeln zu können, muss sich die Akupunktur weiter entwickeln, fest verankert in den klassischen Grundlagen.
Wang Ju-Yi
Illustrationen von Bruce Wang, Coverillustration Arne Bendik Sjur

 

REZENSIONEN

Dr. med. Christoph Kunkel

"Wie oft habe ich in den letzten Jahrzehnten über Textstellen im Suwen, Lingshu und Nanjing hinweggelesen, wenn es um die interstitiellen Flüssigkeiten, die bindegewebigen Muskelverbindungen oder die Organisation der Leitbahnen ging, um den Blut- und Qi-Fluß. Die modernistische chinesische Forschung machte glaubhaft, dass Akupunktur eine neurologische aber keine humorale Grundlage hätte (Formatio reticularis, control gate, Endomorphine). Aber die Physiologie des ganzen Körpers, die inneren Verläufe der Meridiane, die Beziehung der Akupunkte zum Stoffwechsel, der Gasaustausch etc. konnte auf diese Weise überhaupt nicht erklärt werden! Sanjiao, der Dreifache Erwärmer: was wurde da selbst von Berufenen herumorakelt. Wir wissen jetzt, dass damit das gesamte interstitielle Milieu gemeint ist. Wertvolle amerikanische Histologiebefunde werden herangezogen, die alten Klassiker werden in ihrer verborgenen Sprache verwendbar.
Es mag scheinen, als wolle ich mich hier mächtig aufspreizen. Aber das, was da in diesem Buch aus der Tiefe der Medizingeschichte gehoben wird und es an unsere moderen biochemisch- physiologischen Vorstellung heranhebt, das ist gründlich, erfahren, ausprobiert und erneut verfeinert; für mich nach eigenen 40 Jahren TCM epochal. Es geht um einige effektive Punkte, Meridianpalpation und den ganzen Reichtum der antiken Physiologie, dazu Fallbeispiele.
Die chinesischen TCM-Ärzte der 50iger Jahre hatten in Beijing phantastische klinische Möglichkeiten, lasen die Klassiker und verbanden dies mit modernen histologischen Befunden. In persönlichen Notizen hielten sie breitestes empirisches Material fest. Einige dieser Ärzte wie hier Wang Ju-Yi, die nicht von den Roten Garden zur Verleugnung gezwungen wurden (wie z. B. Qin Bo-Wei), tragen das Wissen dieser fruchtbaren Zeit in unsere Tage. Ein sagenhaftes Erbe wird hier lebendig in einer tiefsinnigen, mit Geschichten aufgelockerten Medizinlehre. Überflüssig zu sagen, dass dies weit mehr als ein neues Meridianbuch ist. Für mich die größte Errungenschaft der letzen Jahrzehnte."

 

Douglas Eisenstark, L.Ac.

"Dieses Buch stellt eine Fortsetzung aller bisherigen TCM Bücher dar. Es beginnt im Grunde genommen dort, wo Giovanni endet, und erforscht mit Tiefgang, was im CAM (die US-Standardliteratur der Chinesischen Akupunktur und Moxibustion (Anm. d. Ü.)) nur andeutet wird. Es zeigt große Parallelen zu John Pirog (Autor von The practical application of Meridian Style Acupuncture, Anm. d. Ü.).
Es ist eines jener wenigen TCM Bücher, die ich von Anfang bis Ende in einem Stück lesen wollte.
Und als ich fertig war, fing ich wieder von vorne an. Es ist gut. Es ist unentbehrlich."